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Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf - Mieminger Gebirge (1/25)
Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf - Mieminger Gebirge Metternich, Pauline Fürstin geborene Gräfin Sándor

Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf


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Clemens Wenzel Lothar Fürst Metternich. Gemälde von T. Lawrence, um 1820/25 (Kunsthistorisches Museum, Wien).



Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf (ab 1813 Fürst, 1818 Herzog von Portella), * 15. 5. 1773 Koblenz (Deutschland),  11. 6. 1859 Wien, Staatsmann; Vater von Richard Klemens Fürst Metternich, Großvater von Pauline Fürstin Metternich. Verließ seine Heimat an Rhein und Mosel vor den französischen Revolutionstruppen, trat wie sein Vater Franz Georg Karl (1746-1818) in österreichischen diplomatischen Dienst, heiratete 1795 Eleonore Gräfin Kaunitz (1775-1825), die Enkelin des Staatskanzlers W. A. Graf Kaunitz, und fand dadurch Zugang zum Hochadel. 1801 Gesandter in Dresden, 1803 in Berlin, 1806 nach dem Frieden von Pressburg auf Wunsch Napoleons in Paris (mit geringem Erfolg), wo er als Lebemann bekannt war. Ab 8. 10. 1809 Außenminister, plante er die Verbindung von Erzherzogin Marie Louise mit Napoleon. Danach änderte Metternich seine Politik; Österreich vermied Annäherungen an Frankreich, musste aber 1812 ein eigenes Korps gegen Russland stellen, blieb dann neutral und schloss sich am 13. 8. 1813 den Verbündeten an (Napoleonische Kriege). Metternich sicherte den süddeutschen Rheinbundfürsten ihre Positionen und gewann sie als Bundesgenossen gegen Preußen. Er lehnte die Wiedererrichtung des Kaisertums in Deutschland ab und überzeugte England von der Gefährlichkeit Russlands. Höhepunkt seines Wirkens war der Wiener Kongress von September 1814 bis Juni 1815. Dort verband er gesellschaftliche Repräsentation mit diplomatischem Geschick. Metternich brachte Frankreich als gleichberechtigte Großmacht an den Verhandlungstisch, erreichte die Gründung des Deutschen Bundes und die Sicherung des Einflusses Österreichs in Italien. Durch Mäßigung und Ausgleich kam unter seiner Leitung eine dauerhafte Friedensordnung des Kontinents zustande. Als Anhänger des europäischen Gleichgewichts unterstützte er die Heilige Allianz, wurde aber wie Kaiser Franz I. (Franz II. [I.]) immer mehr zum Gegner von Volksbewegungen.

In den folgenden Jahren wurde die Aufrechterhaltung des Zustands von 1815 sein wichtigstes Anliegen (Kongresse von Aachen 1818, Karlsbad 1819, Troppau 1820, Laibach 1821, Verona 1822). Die nationalen Bewegungen und die liberalen Ideen schätzte Metternich falsch ein: Sie sollten durch Solidarität der Monarchen niedergehalten werden. Nach 1822 unterdrückte er sie in Neapel und Oberitalien, wodurch er an Sympathie verlor; auch die gute Verwaltung des lombardo-venezianischen Königreichs änderte daran nichts. 1821 wurde Metternich Staatskanzler, ein Titel, der seit Kaunitz nicht mehr verliehen worden war.

Nach Distanzierung Englands und Frankreichs vereinigten sich 1833 Österreich, Preußen und Russland zum "Bündnis der drei schwarzen Adler", das 1846 den Aufstand in Krakau niederschlug. Da durch Metternich Österreich in keinem Zollverein vertreten war, verlor es im Bereich der Wirtschaft seinen Führungsanspruch.

Metternich büßte ab 1826 seinen starken Einfluss durch den Staats- und Konferenzminister F. A. Graf Kolowrat-Liebsteinsky weitgehend ein. Auch die Idee einer Staatsführung mit Ministerien konnte er nicht durchsetzen und blieb in der Staatskonferenz ab 1836 auf die Außenpolitik beschränkt. Aufgrund seiner innenpolitischen Strenge galt sein Gegner Kolowrat als liberal, während Metternich zum verhassten Sinnbild von Unterdrückung und Reaktion wurde (Vormärz). Am 13. 3. 1848 wurde durch die Wiener Märzrevolution seine Entlassung erzwungen, er flüchtete nach England und ging 1849 nach Brüssel. 1851 kehrte er nach Österreich zurück und lebte als Privatmann in seinem Palais in Wien, nur gelegentlich um seinen Rat gefragt. Metternich war der bedeutendste Staatsmann Österreichs im 19. Jahrhundert, sein vom Liberalismus verzerrtes Bild erfuhr seit H. von Srbiks Werk eine neue Würdigung.

Neben seiner 1815 erbauten Villa (1873 abgetragen) ließ Metternich am Rennweg in Wien 1846/47 ein Palais erbauen (J. J. Romano und A. Schwendenwein), das seit 1908 die italienische Botschaft beherbergt.


Literatur: H. von Srbik, Metternich, der Staatsmann und der Mensch, 3 Bände, 1925-54, 31954-60; F. Herre, Metternich, Staatsmann des Friedens, 1983; Die Ära Metternich, Katalog))((-->Ausstellungskatalog, Wien 1984; J. von der Heide, K. Metternich, 1988; G. Kugler, Staatskanzler Metternich und seine Gäste, 1991; Österreichisches Biographisches Lexikon; Neue Österreichische Biographie; Neue Deutsche Biographie.


 
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