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Sozialpartnerschaft - Speikkogel, Steiermark (18/25)
Späth, Ernst Spaun, Anton Ritter von

Spätmittelalter


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Die habsburgischen Länder um 1400.



Spätmittelalter: Die Periode von etwa 1250 bis 1522 bildet in Österreich sowohl historisch durch die ältere Linie der Habsburger als auch kunstgeschichtlich durch die Gotik eine Einheit. Am Anfang standen allerdings die Bemühungen des Böhmenkönigs Přemysl Ottokar II., den Donauraum zu einigen und ein Reich von der Oder bis zur Adria aufzubauen. Er gewann die babenbergischen Länder, beerbte die Sponheimer in Kärnten (Podiebrader Vermächtnis 1268), erhielt Einfluss in Salzburg und konnte anfangs auch die Zuneigung der Österreicher gewinnen. Nur in Tirol entstand mit den Meinhardinern aus dem Geschlecht der Görzer Grafen ein Gegenpol, der auch wirksam wurde, als der 1273 zum deutschen König gewählte Rudolf von Habsburg die babenbergischen Länder für das Reich zurückforderte. Nach einem 1. Feldzug unterwarf sich Ottokar 1276, musste aber 2 Jahre später niedergerungen werden und fiel in der Entscheidungsschlacht zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. 8. 1278. Unter seiner Herrschaft wurden die Städte Marchegg, Bruck an der Mur und Leoben gegründet.

Rudolf von Habsburg belehnte 1282 seine Söhne mit den babenbergischen Ländern (ab 1283 nur Albrecht I.), während Graf Meinhard von Tirol Kärnten und Krain erhielt.

Die Durchsetzung des ersten Habsburgers aus der Westschweiz, der von dort seine Vertrauten mitbrachte und sich mit Härte durchsetzen wollte, stieß auf den Widerstand der Österreicher. Albrecht kämpfte aber auch gegen den Erzbischof von Salzburg wegen der Salzgewinnung, wollte Güter in Ungarn erwerben und wurde schließlich durch das Königtum gebunden. Seine Söhne konnten die Herrschaft in Österreich aufbauen, hatten aber sonst kein Glück. Rudolf III., der auch König von Böhmen wurde, starb schon 1307, Friedrich III. unterlag im Kampf um die deutsche Königskrone Ludwig dem Bayern, und Heinrich musste 1315 am Morgarten eine schwere Niederlage gegen die Schweizer hinnehmen. Erst Albrecht II. konnte trotz seiner Körperbehinderung durch eine kluge Politik nicht nur die Herrschaft in den österreichischen Länder festigen, sondern 1335 auch Kärnten gewinnen. Dort ließ sich Otto, der auch das Kloster Neuberg in der Steiermark gründete, nach altem Brauch auf dem Zollfeld zum Herzog einsetzen. Weiters wurden in dieser Zeit die Kartausen Mauerbach und Gaming in Niederösterreich gegründet. Die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde von schweren Naturkatastrophen (Erdbeben 1348) und einer Pestepidemie überschattet, Wien wurde als Hauptstadt gefestigt. Albrechts Sohn Rudolf IV. (1358-65) baute die Stadt durch die Gründung der Universität und den Neubau des Stephansdoms aus. Er versuchte, Wien zum Bischofssitz zu machen und dem Land durch gefälschte Privilegien größeres Ansehen zu verleihen. Zwar verweigerte Kaiser Karl IV. die Anerkennung der Fälschungen, als aber im 15. Jahrhundert der Habsburger Friedrich III. die Kaiserwürde erlangte, bestätigte sie dieser und begründete damit den Titel "Erzherzog" für die Mitglieder der Familie.

Da sich in Tirol die Meinhardiner während der Regierungszeit von Margarete Maultasch in Rivalitäten zwischen den Wittelsbachern aus Bayern und den Luxemburgern in Böhmen verzettelten, konnte Rudolf IV. schließlich 1363 auch das Land Tirol gewinnen, und seine Länder erreichten annähernd den Umfang der jetzigen Republik Österreich. Wenige Jahre später begannen die Habsburger Herrschaften westlich des Arlbergs zu kaufen. Durch die Erwerbung von Triest konnten sie an der Adria Fuß fassen.

Zu dieser Zeit standen sie jedoch bereits unter dem Eindruck der 1379 vollzogenen Teilung zwischen den Herzögen Albrecht III. und Leopold III., die 100 Jahre anhielt. Die albertinische Linie besaß die donauösterreichischen Gebiete, die leopoldinische Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain sowie Tirol und die Vorlande bis zum Rhein). Dort gingen zwar laufend Besitzungen an die Eidgenossen verloren, Leopold III. fiel 1386 bei Sempach, 1388 erlitten die Habsburger bei Näfels eine weitere Niederlage; durch die Erwerbung des Breisgaus mit der Stadt Freiburg konnten diese Verluste aber kompensiert werden.

Die Lage an der Donau machte vor allem Wien zum Handelszentrum, die Straßen über das Gebirge nach Süden wurden ausgebaut, die Eisengewinnung am Erzberg und in Kärnten nahm beträchtlichen Umfang an. Aber auch die Bautätigkeit war beachtlich, wie viele Zeugnisse der frühen Gotik beweisen. Weiters entstanden auf den Gebieten Malerei und Dichtung bedeutende Werke.

Herzog Albrecht III. aus der albertinischen Linie war ein wichtiger Förderer der Künste, er gründete das Schloss Laxenburg und veranlasste die Herstellung der "Chronik von den 95 Herrschaften" durch Leopold Stainreuter.

Der Anfang des 15. Jahrhunderts war von Konflikten zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Linien der Habsburger geprägt. Dadurch erhielten die Stände als Vertreter des Volks größeren Einfluss und versammelten sich auf Landtagen, um den Fürsten "zu raten und zu helfen". Kaum hatte Albrecht V. nach 1411 die herrschende Rechtsunsicherheit überwunden, musste er Österreich gegen die Hussiten verteidigen, die mehrmals aus Böhmen und Mähren in die nördlichen Landstriche eindrangen. Dieser Habsburger war mit Elisabeth, der Tochter des Luxemburger Kaiser Siegmund, König von Böhmen und Ungarn, verheiratet und wurde nach dessen Tod 1437 nicht nur böhmischer und ungarischer, sondern auch deutscher König. Er starb bereits 1439, als sein Sohn Ladislaus noch nicht geboren war. Für diesen führte Friedrich III. (ab 1440 König und ab 1452 Kaiser) aus der steirischen Linie die Vormundschaft und wollte sie gegen die unterdessen zu Macht gelangten Stände (Hochadel, Ritter, Prälaten und Städte) behalten. Die Stände erzwangen jedoch die Auslieferung des jungen Prinzen und verbündeten sich mit den nationalen Führern in Ungarn und Böhmen. Als Ladislaus Postumus 1457 sehr jung verstarb, wurde Matthias Corvinus König von Ungarn, in Böhmen errang Georg von Podiebrad die Krone.

In Tirol hatte Herzog Friedrich IV. Mühe, sich im Lande zu halten, als er sich beim Konstanzer Konzil zu sehr exponierte. Er musste sich aber auch gegen den einheimischen Adel durchsetzen. Sein Sohn Sigmund konnte aufgrund der Silbervorkommen im Inntal zahlreiche Bauwerke errichten lassen (zum Beispiel Schloss Ambras, Kirche von Schwaz). In der Steiermark und in Kärnten herrschte Ernst, der später "der Eiserne" genannt wurde und eine beträchtliche Aktivität entfaltete, nach ihm sein Sohn Friedrich III. (AEIOU), der vorwiegend in Wiener Neustadt residierte, aber auch die Burg von Graz ausbaute.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Länder Steiermark und Kärnten bereits mehrmals von den nach Norden vordringenden Türken bedroht, zur Abwehr wurden Burgen und Stadtmauern stärker ausgebaut und in den Dörfern Kirchen befestigt. Die Bauern fühlten sich aber im Stich gelassen und erhoben sich mehrmals gegen die Herrschaften. Kaiser Friedrich III. bemühte sich zwar um eine bessere Verständigung mit den österreichischen Ständen, aufgrund seines eigenen Wesens und der Aktivitäten von Matthias Corvinus blieb der Erfolg aus. 1477 fiel Matthias Corvinus erstmals in Österreich ein und besetzte nach 1482 einen erheblichen Teil des Landes. Er schlug in Wien seine Residenz auf, wo er 1490 plötzlich starb.

Eine Ursache des Eingreifens von Matthias Corvinus war die Situation im Erzbistum Salzburg und im Bistum Passau. Dort stammten die Erzbischöfe und Bischöfe seit dem 14. Jahrhundert meist aus Adelsfamilien der Nachbarländer, des Öfteren gab es Rivalitäten zwischen österreichischen oder bayerischen Kandidaten oder Doppelwahlen. Am Beginn des 15. Jahrhunderts gründeten die Ritter und Bürger von Salzburg den "Igelbund" und bildeten Stände; in der 2. Hälfte des Jahrhunderts litten die Erzbischöfe unter starker Geldnot. Als Friedrich III. den zu ihm geflohenen Erzbischof von Gran als neuen Kirchenfürsten von Salzburg durchsetzte, wurde der Konflikt mit dem Ungarnkönig angeheizt, der auch passauische Güter in Österreich als Pfand erhielt.

Im Gegensatz zu Matthias Corvinus, an dessen Hof sich bereits die Renaissance entfaltete, dominierte am habsburgischen Hof und in den österreichischen Ländern die Gotik. Diese reichte mit der so genannten Donauschule sogar noch bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts hinein. Mehrere kunstvolle Flügelaltäre entstanden, Kirchen und Stadthäuser wurden monumentaler und größer gebaut als zuvor. Die Burgen von Wiener Neustadt, Graz und Linz sind Zeugnisse der Bautätigkeit des Kaisers, während in Salzburg Leonhard von Keutschach Hohensalzburg ausgestalten ließ.

Die wirtschaftliche Situation hatte sich in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wesentlich gebessert. In einigen Gegenden lebte der Handel auf, es entstanden größere Werkstätten zur Eisenverarbeitung (frühkapitalistische Betriebsformen), Salz wurde in Tirol, in der Steiermark und in Salzburg bei Hallein gewonnen, in den Tälern der Tauern in Salzburg und Kärnten brachte der Goldbergbau beachtliche Erträge, in Oberzeiring (Steiermark) und Schwaz (Tirol) wurde Silber gewonnen, eine Organisation zur Versorgung der Bergknappen des Eisenerzer Gebiets wurde geschaffen.

Durch die Vermählung seines Sohnes Maximilian mit Maria von Burgund legte Kaiser Friedrich III. den Grundstein zur Weltbedeutung des Hauses Habsburg. Die wichtigsten Residenzstädte von Maximilian I. waren Augsburg und Innsbruck; er war ein Förderer der Künste, durchaus im Geist der Renaissance, aber eben als deutscher Fürst, und sehr auf die Tradition seiner Familie bedacht. Zu diesem Zweck beschäftigte er Wissenschaftler und Künstler und ließ für seinen Nachruhm eine prunkvolle Grabanlage (Maximiliansgrab) anfertigen, die ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehen war, dann aber in Innsbruck aufgestellt wurde. In der Zeit Maximilians I. (1519 in Wels verstorben) endete in Österreich die Epoche des Mittelalters. Die neuen Entwicklungen waren in vollem Gang: Amerika war wiederentdeckt, der Siegeszug des Humanismus im Lauf, die deutsche Reformation in ihren Anfängen und das immer stärker werdende Vordringen der Osmanen auf dem Balkan und gegen Ungarn kündigte sich an.


Literatur: A. Lhotsky, Geschichte Österreichs seit der Mitte des 13. Jahrhunderts (1281-1358), 1967; H. Wiesflecker, Kaiser Maximilian, 5 Bände, 1970ff.; A. Kusternigg, Die Zeit König Ottokars in Österreich, 1978; Die Zeit der frühen Habsburger, Ausstellungskatalog, Wiener Neustadt 1982; B. Rill, Friedrich III., Matthias Corvinus und die Renaissance in Ungarn, Ausstellungskatalog, Schallaburg 1982; O. Brunner, Land und Herrschaft, 51984; Habsburgs europäischer Durchbruch, 1987; G. Hödl, Habsburg und Österreich 1277-1494, 1988; Eines Fürsten Traum, Ausstellungskatalog, Schloss Tirol und Stams 1995.


Verweise auf andere Alben:
Video-Album: Freistadt in Oberösterreich.
Musikgeschichte: Kyrie fons bonitatis mit Tropus Divinitatis amator,
Darstellungen von Musikinstrumenten,
Regal,
Fidler und Tänzerin,
Notationen,
Neidhart: Der Prem,
Mönch von Salzburg: Kühhorn,
Ulrich von Liechtenstein: Süeze doene,
Michel Beheim: Das Buch von den Wienern,

 
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