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Reith im Alpbachtal - Republikanischer Schutzbund (13/25)
Rellstal Rendl, Georg

Renaissance


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Renaissance: Abt Christoph Held von Seitenstetten. Hinterglasgemälde, Ende 16. Jh. (Stift Seitenstetten, NÖ.).



Renaissance, ursprünglich die "Wiedererweckung" der "wahren" Kunst, von Italien ausgehende Kunstrichtung und Geistesbewegung, die sich zunächst in ganz Italien verbreitete, bevor sie auch die mitteleuropäischen Länder erfasste, in denen sich noch lange die Formen der Gotik hielten. Renaissanceströmungen entwickelten sich in Österreich zuerst in der Literatur und der Wissenschaft am Ende des 15. Jahrhunderts im Gelehrtenkreis um Maximilian I. (Humanismus); ihnen folgte die bildende Kunst.

Von 1500 an kann man von ausgeprägten Merkmalen der Renaissance in der österreichischen Kunst sprechen, zuerst in der Malerei Tirols, des Landes, das sich schon in der Zeit M. Pachers den künstlerischen Errungenschaften des Südens gegenüber aufgeschlossen gezeigt hatte. Pacher und M. Reichlich gehörten zu den ersten Künstlern, die Elemente der italienischen Renaissance in ihre Werke integrierten. Bald darauf folgten die von Kaiser Maximilian in Innsbruck beschäftigten Meister, wie G. Sesselschreiber, L. Magt, S. Godl und der Hofmaler J. Kölderer, unter dessen Leitung eine Schar junger Künstler tätig war. Die künstlerischen Unternehmungen des Kaisers brachten einen lebhaften Kräfteaustausch der Kölderer-Werkstatt mit den großen Zentren des Kunstlebens vor allem in Süddeutschland. So wurden die österreichischen Alpenländer allmählich von einer organischen, aus der Gotik hervorwachsenden Renaissancebewegung ergriffen. Gleichzeitig begann in den Donauländern die Kunst der Donauschule aufzublühen. Andererseits wurde besonders in der Architektur die italienisch geprägte Renaissance teilweise mit dem Katholizismus identifiziert und setzte sich in reinerer Form nur im höfischen Umfeld durch. Protestantische Auftraggeber förderten eher deutsche und niederländische Einflüsse bzw. integrierten auch neo))((mittelalterliche oder bewusst gotische Elemente. Oft erfolgte ein rascher Übergang zum Manierismus.

Die Malerei der Renaissance fand ihre Bestimmung in der Tafelmalerei und in der Wandmalerei. Neben einigen einheimischen Malern (unter anderem J. Kölderer, J. Seisenegger) erlangten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts am Kaiserhof vor allem Künstler aus dem süddeutschen Raum große Bedeutung, darunter der Maler Hans aus Ulm, der sich in Schwaz (Tirol) niederließ, der aus Memmingen stammende B. Strigel oder A. Hirschvogel aus Nürnberg.

Die Wandmalerei erhielt durch die neue Technik des Sgraffito einen neuen Aufgabenbereich. Viele Häuser und Säle sind noch heute mit Renaissancesgraffitos geschmückt, so in den niederösterreichischen Städten Retz, Eggenburg, Horn und Krems sowie in Innsbruck. Bemerkenswerte Renaissancefresken finden sich etwa in Schloss Tratzberg, Schwaz, Schloss Ambras (alle Tirol) sowie in Millstatt und St. Kanzian bei Villach in Kärnten.

Auch in der Bildhauerei ist der Übergang von der spätgotischen Tradition zur Donauschule und zur Renaissance fließend. Die Arbeiten des Wiener Dombaumeisters A. Pilgram lassen bereits ein Einfließen der Stilelemente der Renaissance erkennen. Werke wie der Altar von Mauer bei Melk (um 1510/15), der so genannte "Töpferaltar" in Baden (um 1515) oder die Halbfiguren der Choremporenbrüstung in der Schlosskapelle von Sierndorf (Niederösterreich, 1516) markieren den weiteren Übergang. Zu den Hauptwerken der frühen Renaissancebildhauerei in Österreich zählen das vermutlich aus der Werkstatt des in Eichstätt tätigen L. Hering stammende Grabmal des Grafen Niklas Salm in der Wiener Votivkirche (um 1530-33) sowie das mit den Namen G. Sesselschreiber, L. Magt, S. Godl und A. Colin eng verbundene Maximiliansgrab in Innsbruck (1508-83).

Beispiele für die reife Renaissancebildhauerei sind die skulpturalen Arbeiten von H. Saphoy im Niederösterreichischen Landhaus (um 1571), der Brunnen im Grazer Landhaus von T. Auer und M. Wening (1589/90) und das von H. Gerhart und C. Gras geschaffene Grabmal Erzherzog Maximilians III. in der Domkirche St. Jakob in Innsbruck (Anfang 17. Jahrhundert). Die Arbeiten von H. Waldburger im salzburgischen Raum markieren den Übergang zur Bildhauerei des Frühbarock in Österreich.

In zunächst bescheidenem Ausmaß wirkte sich die Renaissance in der Architektur aus, hier mehr durch Augsburger als durch italienische Vorbilder geprägt. Um 1530 entwickelte sich eine neue Renaissancebewegung, nun im direkten Anschluss an Italien, wo die Hochrenaissance um diese Zeit ausklang und die Phase der Spätrenaissance, des so genannten Manierismus, begann. In Österreich traten die Leistungen der Bildhauer und Maler zurück; Architektur und Kunstgewerbe wurden die führenden Künste, und in zunehmendem Maß wurden Künstler aus dem Ausland berufen. Während in der Malerei ab der Mitte des 16. Jahrhunderts neben einheimischen und deutschen Künstlern die Niederländer dominierten, waren im Bereich der Architektur vor allem Italiener tätig.

Die profane Kunst gewann die Vorherrschaft vor der kirchlichen. Prächtige Schloss- und Bürgerbauten entstanden, darunter Schloss Porcia in Spittal an der Drau (Kärnten, 1533-97), Rosenburg (Niederösterreich, Umbau 1593-97), Schallaburg (Niederösterreich, Umbau 1572-1600), Burg Greillenstein (Niederösterreich, um 1570), die Landhäuser in Graz (Haupttrakt 1557-65) und Linz (großer Arkadenhof 1568-74), Schweizertor (1552-53), Amalienburg (1575-77) und Stallburg (um 1558-69) der Wiener Hofburg, die Salvatorkapelle beim Wiener Alten Rathaus (um 1520) sowie Schloss Neugebäude in Wien für Maximilian II. (nach 1569). Das Niederösterreichische Landhaus in Wien wurde durch H. Saphoy umgebaut (1540-86), Burg Hochosterwitz (Kärnten, um 1570-86) und Landskron (Kärnten, um 1542-52) erhielten Torbauten und Bastionen und Schloss Ambras (Tirol) den riesigen "Spanischen Saal" (1570-71).

Nach dem Vorbild des Maximiliangrabmals in Innsbruck entstanden das Mausoleum Erzherzog Karls II. in Seckau (Steiermark, 1590-1600), das Mausoleum des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau in Salzburg von E. Castello (1597-1603), das Mausoleum des Türkensiegers Ruprecht von Eggenberg in Ehrenhausen (Steiermark, 1609-14) sowie das Mausoleum Kaiser Ferdinands II. in Graz von P. de Pomis (1614-38).

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die internationale Kunst der Spätrenaissance eine glanzvolle Konzentration an den weltlichen und geistlichen Höfen von Wien, Salzburg, Graz und Innsbruck. Nach der Verlegung der Kaiserresidenz von Wien nach Prag 1583 strömten die meisten bedeutenden Künstler an den neuen Hof, darunter B. Spranger, J. Heintz der Ältere, Hans von Aachen, G. Hoefnagel und R. Savery.

Das Kunsthandwerk blühte insbesonders in den Hofwerkstätten in den mannigfaltigsten Bereichen (Harnisch- und Goldschmiedekunst, Steinschnitt, Glocken- und Stuckgießereien, Medaillen-, Siegelschneide- und Intarsienkunst, Tapisserien, Elfenbeinarbeiten, astronomische Instrumente, Uhren usw.).

In der Renaissance wurde erstmals der Gedanke der Kunstpflege lebendig. Erzherzog Ferdinand II. von Tirol legte auf Schloss Ambras mit der Kunst- und Wunderkammer die erste Kunstsammlung an, Erzherzog Leopold Wilhelm eine Bildersammlung in Wien, die den Grundstock der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums bildete, und Kaiser Rudolf II. eine Sammlung in Prag (heute im Kunsthistorischen Museum in Wien).

Ein langsamer Übergang von der Renaissance zum frühen Barock italienischer Prägung war in der Architektur um 1600 festzustellen, die anderen Bereiche der bildenden Kunst folgten wenig später.



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Renaissance: Sgraffitohaus am Hauptplatz in Weitra, NÖ.



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Renaissance: Grabmal des Niklas Graf Salm in der Votivkirche in Wien 9.



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Renaissance: Innenhof von Schloß Tratzberg, Ti.



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Renaissance: Portal des Verordnetenzimmers des Niederösterreichischen Landhauses in Wien 1.


Literatur: P. von Baldass und andere, Renaissance in Österreich, 1966; Maximilian I., Ausstellungskatalog, Innsbruck 1969; Renaissance in Österreich, Ausstellungskatalog, Schallaburg 1974; Prag um 1600, Ausstellungskatalog, Wien 1988/89.


Verweise auf andere Alben:
Musikgeschichte: Hans Judenkünig: Hoff dantz

 
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