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Tumlirz, Otto - Turnerbund, Österreichischer, ÖTB (14/25)
Türkenbelagerungen Wiens Türkenschanzpark

Türkenkriege


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Türkenkriege: Roßschweife, Rangabzeichen eines türkischen Würdenträgers (Privatbesitz).



Türkenkriege: 1354 fassten die Osmanen auf der Balkanhalbinsel Fuß, zerstörten am 16. 6. 1389 mit der Schlacht auf dem Amselfeld das serbische Reich, besiegten 1396, 1444 und 1448 christliche Heere und eroberten am 29. 5. 1453 Konstantinopel (Istanbul), in der Folge begannen sie mit Vorstößen nach Mitteleuropa. Die Beziehungen zu Österreich gliedern sich in 4 Abschnitte:

1) die Periode der Überfälle bis 1526: Bedroht war zunächst Ungarn, das sich 1456 durch einen Sieg bei Belgrad erfolgreich wehrte. In den Jahren 1473, 1476, 1478, 1480 und 1483 fielen die Türken in Kärnten und in der Südsteiermark (östliches Slowenien) ein.

2) osmanische Angriffe 1526-1683: Nachdem Sultan Süleyman II. 1521 Belgrad erobert und 1526 das ungarische Heer bei Mohács vernichtet hatte, kam es zum Krieg, weil der Habsburger Ferdinand I. die Krone Ungarns beanspruchte. Die Folge war ein erster Vorstoß der Osmanen bis Niederösterreich und die Belagerung Wiens vom 27. 9. bis zum 15. 10. 1529; 1532 folgte ein weiterer Angriff, der aber vor Güns (Köszeg, Ungarn) endete, nur Vorhutverbände drangen bis in das Ybbstal vor.

1540-47 besetzten die Osmanen Zentralungarn (1541 Buda) und errichteten ein Paschalik, das Land zerfiel in 3 Zonen: neben dem türkischen Zentrum beherrschten die Habsburger den Westen und den Norden (Slowakei), während Siebenbürgen als Fürstentum türkischer Satellit wurde. Waffenstillstände wurden nur auf Zeit geschlossen (1547 und 1562 in Konstantinopel, 1568 in Adrianopel) und verpflichteten Österreich zu jährlichen Tributzahlungen. Die Verteidigung der Grenzräume wurde den Ständen von Österreich und Innerösterreich übertragen, diese mussten Festungen in Westungarn und Kroatien bauen, erhalten und ausrüsten. Ein neuerlicher Krieg 1593-1606 wurde nach dem Verlust der Hauptfestung Raab (Györ), die 1598 zurückerobert wurde, mit dem Frieden von Zsitvatorok beendet, in dem der Kaiser erstmals als dem Sultan gleichrangig anerkannt wurde. Nach Zahlung eines "Ehrengeschenks" von 200.000 Gulden endete die Tributpflicht. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem während des 30-jährigen Kriegs, verbesserten sich die Kontakte, und es kam zum Austausch von Großbotschaften. 1663 brach wieder ein Krieg aus, zum Teil hervorgerufen durch französische Intervention. Am 1. 8. 1664 siegte Raimund Fürst Montecuccoli bei Mogersdorf, doch die ungarischen Magnaten waren mit dem Frieden von Vasvár (Eisenburg) 1664 unzufrieden. E. Thököly von Késmark führte einen Aufstand an, die Osmanen anerkannten Thököly als König von Ungarn und begannen zu seiner Unterstützung 1683 einen neuen Krieg. Großwesir Kara Mustafa drang mit einem starken Heer in Österreich ein, belagerte ab 14. 7. 1683 Wien (Türkenbelagerungen Wiens), während Tataren das südliche Niederösterreich brandschatzten. Am 12. 9. 1683 vernichtete das christliche Entsatzheer unter König Johann III. Sobieski von Polen und Herzog Karl V. von Lothringen das Osmanenheer vor Wien und leitete eine Offensive ein.

3) Angriffskriege Österreichs 1683-1791: 1683 drang das kaiserliche Heer in Ungarn ein und besetzte Gran (Esztergom). Am 2. 9. 1686 eroberte Herzog Karl von Lothringen Ofen (Buda), Siebenbürgen wurde besetzt und der habsburgischen Monarchie eingegliedert, am 6. 9. 1688 eroberte Kurfürst Max Emanuel von Bayern Belgrad. Der weiteste Vorstoß erfolgte 1689 bis Niš, wo Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden am 24. 9. 1689 siegte. Nach Rückschlägen ging Belgrad am 18. 10. 1690 wieder verloren. Am 19. 8. 1691 siegte Ludwig Wilhelm von Baden bei Slankamen, am 11. 9. 1697 brachte der Sieg von Prinz Eugen bei Zenta die Entscheidung. Im Frieden von Karlowitz vom 26. 1. 1699 verzichteten die Osmanen auf Ungarn mit Ausnahme des Banats von Temesvár.

Als Verbündeter Venedigs war Österreich 1716 in einen neuerlichen Krieg verwickelt, in dem Prinz Eugen am 5. 8. 1716 bei Peterwardein und am 16. 8. 1717 bei Belgrad bedeutende Siege errang. Im Frieden von Passarowitz vom 21. 7. 1718 erreichte die habsburgische Monarchie auf dem Balkan die größte Ausdehnung: sie gewann Nordserbien (mit Belgrad) und einen Grenzstreifen Bosniens, das Banat von Temesvár und die kleine Walachei. Zwei weitere Türkenkriege wurden im 18. Jahrhundert im Bund mit Russland geführt und waren erfolglos. Der Krieg von 1737-39 endete am 18. 9. 1739 im Frieden von Belgrad mit dem Verlust der Erwerbungen von 1718. Der Krieg von 1788, den Joseph II. begonnen hatte, wurde am 4. 8. 1791 mit dem Frieden von Sistowa (Swischtow) und unwesentliche Grenzänderungen beendet.

4) die Erhaltung des Osmanischen Reichs als schwacher Nachbar der österreichischen Monarchie 1791-1918: Die österreichische Monarchie strebte die Erhaltung der europäischen Türkei an, wobei die Balkanvölker Russland als Schutzmacht gewannen und sich die Unabhängigkeit erkämpften (Griechenland 1830, Rumänien 1859, Serbien und Bulgarien 1878, Albanien 1913). Auf dem Berliner Kongress von 1878 wurde Österreich-Ungarn das Mandat übertragen, Bosnien-Herzegowina zu besetzen, das 1908 annektiert wurde. In den Balkankriegen (1912-13) bemühte sich Österreich vergeblich um eine Schonung der Türkei, die im 1. Weltkrieg auf der Seite der Mittelmächte stand.


Literatur: F. Suraya, Das ottomanische Herrschaftsgebiet von 1350-1650, in: H. Kellenbenz (Hg.), Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 3, 1986; Die Steiermark, Brücke und Bollwerk, Ausstellungskatalog, Schloss Herberstein 1986; J. P. Niederkorn, Die europäischen Mächte und der "Lange Türkenkrieg" Kaiser Rudolfs II. (1593-1606), Archiv für österreichische Geschichte 135, 1993; T. M. Barker, Doppeladler und Halbmond, Entscheidungsjahr 1683, 1982 (englisch 1967); Die Osmanen und Mitteleuropa. Internationaler Kongreß für Militärgeschichte in Wien 1983, 1984; G. Heiß und G. Klingenstein (Hg.), Das Osmanische Reich und Europa 1683-1789, 1983; W. Öhlinger, Wien zwischen den Türkenkriegen, 1998.


 
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