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Zünfte


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Zunftzeichen der Hafner von Fahrafeld, 1788 (Niederösterreichisches Landesmuseum, Wien).



Zünfte (Bruderschaften, in Österreich meist "Zechen" oder "Innungen" genannt), genossenschaftliche Organisationen von Handwerksmeistern (Handwerk) gleichen oder verwandten Gewerbes. Im 13. Jahrhundert traten die Zünfte als Vereinigungen religiöser Art auf, im 14. Jahrhundert wurden sie zu Organisationen, die wirtschaftliche Interessen vertraten. Die ökonomische Funktion der Zünfte lag in der Sicherung der "bürgerlichen Nahrung", das heißt der Reservierung des Marktes für die Zunftmitglieder; im Spätmittelalter erfolgte daher eine zahlenmäßige Begrenzung der Handwerksbetriebe, Rohstoffe und Arbeitskräfte wurden gleichmäßig zugeteilt. Die sozialen Funktionen der Zünfte bestanden in Unterstützungen und Darlehen für die Mitglieder sowie in der Schaffung und Aufrechterhaltung eines gemeinsamen Bewusstseins durch das Zunftbrauchtum. Grundsätzlich örtlich organisiert, gab es auch regionale Zünfte für seltenere Gewerbe. In der Barockzeit wurde der religiöse Charakter wieder stärker betont.

Von Rudolf IV. wegen ihrer kartellistischen Politik bekämpft, erlangten die Zünfte um 1400 neue Bedeutung und forderten stärkere Beteiligung am Stadtregiment (Wien 1396 und 1462). Die im 15. Jahrhundert entstandenen Gesellenbruderschaften (Wien 1411) wurden 1439 unter die Kontrolle der Meister der Zünfte gestellt. Mit der neuen Stadtordnung für Wien (1526, Ausschaltung der Zünfte aus dem Stadtregiment) und der Handwerksordnung Ferdinands I. von 1527 (stärkere obrigkeitliche Kontrolle der Zünfte) begann der lange Kampf der Zünfte um ihre Positionen. Durch die merkantilistische Politik wurde die Gewerbeausübung ab dem 17. Jahrhundert durch Hofbefreiungen, Schutzdekrete (Befugte) und durch Teilung der Gewerbe 1754 in Polizei- und Kommerzialgewerbe auch unzünftigen Handwerkern erlaubt. Die Handwerksordnung von 1732 auf der Basis der Reichshandwerksordnung (1731) brachte eine schärfere Kontrolle der Zünfte mit sich, unter Maria Theresia und Joseph II. wurden weitere Beschränkungen beseitigt. 1736 gab es in Wien etwa 11.000 Professionisten, von denen nur 32 % zünftische Meister, der Rest Hofbefreite, Dekretisten oder Störer waren. Die Privilegien der Zünfte wurden von Joseph II. nicht mehr bestätigt und durch die Gewerbeordnung 1859 offiziell aufgehoben. Die Nachfolge der Zünfte traten freiwillige "gewerbliche Genossenschaften" an, die für das Kleingewerbe durch die Gewerbeordnungsnovelle 1883 obligatorisch wurden.


Literatur: H. Zatschek, Handwerk und Gewerbe in Wien, 1949; derselbe, Einigung und Zeche, Festschrift für E. E. Stengel, 1952; E. Zöllner (Hg.), Österreichs Sozialstrukturen, 1980.


 
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