TU Graz

Hinweis:

Das ist ein alter - nicht mehr gewarteter - Artikel des AEIOU.

Im Austria-Forum finden Sie eine aktuelle Version dieses Artikels im neuen AEIOU.

https://austria-forum.org Impressum

bm:bwk
Österreich Lexikon
Österreich Lexikon
home österreich-alben suchen annotieren english
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


Riedmark - Ringel, Franz (21/25)
Rikli, Arnold Rinderrassen

Rilke, Rainer Maria


© Copyright

Rainer Maria Rilke. Foto, 1906.



Rilke, Rainer Maria, * 4. 12. 1875 Prag (Tschechische Republik),  29. 12. 1926 Val-Mont bei Montreux (Schweiz), Lyriker von Weltgeltung, Prosaautor, Essayist. Wuchs in Prag auf und besuchte 1886-91 die Militärschulen in St. Pölten und Mährisch-Weißkirchen sowie 1891/92 die Handelsakademie in Linz, studierte Kunst- und Literaturgeschichte sowie Jus in Prag, München und Berlin; ausschlaggebend für die Entscheidung zum Dichterberuf wurde 1897 die Begegnung mit Lou Andreas-Salomé.

1900 ließ sich Rilke in der deutschen Künstlerkolonie Worpswede nieder und heiratete 1901 die Bildhauerin Clara Westhoff. Nach Auflösung der Ehe (1902 Geburt der Tochter Ruth) übersiedelte er 1902 nach Paris und wurde 1906/07 Privatsekretär des Bildhauers A. Rodin in Meudon. Nach dem Bruch mit Rodin folgten weitere Wanderjahre, dazwischen lebte Rilke auf Schloss Duino bei Triest als Gast der Fürstin Marie von Thurn und Taxis, seiner wichtigsten Mäzenin. Hier entstanden die ersten "Duineser Elegien" (1922 fertig gestellt und 1923 veröffentlicht).

Im 1. Weltkrieg war Rilke kurze Zeit beim österreichischen Landsturm und im Wiener Kriegsarchiv tätig, ging dann nach München und in die Schweiz, wo er auf dem Schlösschen Muzot im Wallis eine neue Heimstatt fand. An Leukämie erkrankt, starb Rilke im Sanatorium von Val-Mont, seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Raron im Rhônetal.

Rilke war der einflussreichste deutschsprachige Lyriker in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bereits in seinen frühen Gedichtbänden "Das Buch der Bilder" (1902) und "Das Stunden-Buch" (1905) fand er zu einer suggestiven rhythmischen und bildlichen Sprache. Die literarischen Strömungen der Jahrhundertwende gingen in die Texte ein. Zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher überhaupt wurde die Novelle "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" (1906).

Bilder von Elend und Verfall bestimmen den Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (1910), der als einer der ersten deutschsprachigen Romane der Moderne gilt und für den Autor die "Wasserscheide" zur Arbeit an seinem lyrischen Hauptwerk, den 10 "Duineser Elegien", markierte. In diesen reimlosen und in freier Rhythmik gehaltenen Gesängen fand er zur Überwindung des Impressionismus. Bis 1945 war die Wirkung Rilkes auf die zeitgenössische Dichtung außergewöhnlich stark; seine Sprach- und Formkunst blieb von seinen zahlreichen Nachahmern unerreicht.


Weitere Werke: Lyrik: Leben und Lieder, 1894; Larenopfer, 1896; Wegwarten, 1896; Traumgekrönt, 1897; Advent, 1898; Mit zur Feier, 1898; Neue Gedichte, 1907; Der Neuen Gedichte anderer Teil, 1908; Requiem, 1909; Die frühen Gedichte, 1909; Erste Gedichte, 1913; Das Marien-Leben, 1913; Sonette an Orpheus, 1923; Späte Gedichte, 1934. - Prosa: Am Leben hin, 1898; Zwei Prager Geschichten, 1899; Vom lieben Gott und anderes, 1900 (1904 unter dem Titel "Geschichten vom lieben Gott"); Die Letzten, 1902; Worpswede, 1903; A. Rodin, 1903; Erzählungen und Skizzen aus der Frühzeit, 1928; Verse und Prosa aus dem Nachlaß, 1929. - Dramen: Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens, 1896; Im Frühfrost, 1897; Ohne Gegenwart, 1898; Die weiße Fürstin, 1900; Das tägliche Leben, 1902. - Briefe, Tagebücher: Briefe an A. Rodin, 1928; Gesammelte Briefe, 6 Bände, 1936-39; Tagebücher aus der Frühzeit, 1942; Briefe, 2 Bände, 1950; Briefwechsel in Gedichten mit E. Mitterer, 1950; Briefwechsel unter anderem mit: M. von Thurn und Taxis, 1951; L. Andreas-Salomé, 1952; A. Gide, 1952; K. Kippenberg, 1954; M. Zwetajewa und B. Pasternak, 1983. - Ausgabe: Sämtliche Werke, 6 Bände, herausgegeben vom Rilke-Archiv in Weimar, 1955-66 (kritische Ausgabe).

Literatur: K. Klutz, Rilke-Bibliographie, 1975ff., in: Blätter der Rilke-Gesellschaft, 1978ff.; O. H. Olzien, R. M. Rilke. Wirklichkeit und Sprache, 1984; D. A. Prater, Ein klingendes Glas. Das Leben R. M. Rilkes, 1986; H. Herzmann und H. Ridley (Hg.), Rilke und der Wandel in der Sensibilität, 1990; H. Naumann, R. M. Rilke. Stufen seines Werkes, 1995; I. Schnack, R. M. Rilke. Chronik seines Lebens und seines Werks, 21996; P. Demetz (Hg.), Rilke - ein europäischer Dichter aus Prag, 1998.


 
Hinweise zum Lexikon Abkürzungen im Lexikon
 
© Copyright Österreich-Lexikon

 

Suche nach hierher verweisenden Seiten
 
hilfe projekt aeiou des bm:bwk copyrights mail an die redaktion