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Strauß Johann Strauß und seine drei Ehefrauen

1.  Die Ehe mit Henriette Treffz-Chalupetzky, 1818 - 1878, auch „Jetty"genannt.

Strauß lernte Henriette Treffz-Chalupetzky im Hause des Bankiers Moritz Ritter von Todesco kennen. Sein von ihm errichtetes Palais steht heute noch neben der Wiener Staatsoper (Wien I. Kärtnerstraße51). Henriette war die Geliebte des Barons, daher auch ihr Name „Baronin Todesco". Bevor sie die Ehefrau von Strauß wurde, gebar sie sieben uneheliche Kinder. Die Tochter des in der Josefstadt beheimateten Gold-und Silberarbeiter Joseph Chalupetzky hatte eine schöne Sopranstimme, sie sang in der Dresdner Oper mit Wilhemine Schröder-Devrient und am Theater a. d. Wien mit Jenny Lind. Strauß kannte sie schon 15 Jahre, bevor er sie am 27. August 1862 in der Wiener Stephanskirche heiratete. Ihren Hauptwohnsitz nahmen sie im heutigen Wien II., Praterstraße 54, dort wo auch der Donauwalzer entstand. Die Wohnung ist heute als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. 
Die ehemalige Sängerin Treffz und Geliebte des Börsenmagnaten Todesco verwandelte sich in ihrer Ehe zu einer perfekten Sekretärin, in eine charmante mütterliche Ehefrau und zu einer großartigen Managerin, die ihrem Ehemann sämtliche Alltagssorgen abnahm, wie z.B. Vorbereitung von Konzerttourneen oder das Kopieren von Noten. Henriette starb am 8. April 1878 nach einem Schlaganfall. Bereits 50 Tage später war Strauß ein zweites Mal verheiratet. 
Frau Henriette Strauß gebührt das historische Verdienst, den Walzerkönig zur Operettenkomposition geführt zu haben. 
 

2.  Die Ehe mit Ernestine Henriette Angelica Dittrich, genannt „Lily"

Angelica Dittrich wurde am 30. März 1850 in Breslau geboren, war Schülerin des Hofkapellmeisters Heinrich Proch, jenes Dirigenten, der die Eröffnungsvorstellung von Mozarts „Don Giovanni" in der neuerbauten k.k. Hofoper am 25. Mai 1869 leitete. Über Strauß suchte sie ein Engagement im Theater a.d. Wien. Es kam nicht zum Engagement, sondern zur Heirat. Strauß, 25 Jahre älter als Lily, kannte sie schon aus früherer Zeit - ohne daß seine erste Frau von diesem Verhältnis wußte - und heiratete sie am 28. Mai 1878 in der Wiener Karlskirche 50 Tage nach dem Ableben von Henriette Strauß. Bald nach der Hochzeit zog das Paar in das nach Ideen von Straußens erster Ehefrau erbaute neue Palais in der Igelgasse 4, heute Wien IV., Johann-Strauß-Gasse 4. 
Die Ehe war nicht glücklich. Es gab Streitereien, das gegenseitige Verständnis war gering. Anna Strauß, eine ledig gebliebene Schwester von Johann, berichtete von einem Verhältnis Lilys mit Franz Steiner, dem Direktor des Theaters a. d. Wien. Als Lily dann auch noch Assistentin im Theater a. d. Wien wurde, ergab es sich, daß die Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig" als einzige Strauß-Operette am 3. Oktober 1883 nicht in Wien sondern in Berlin uraufgeführt wurde. 
Am 9. Dezember 1882 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. Lily starb in großer Armut im Jahre 1919 in Bad Tatzmannsdorf an einem Krebsleiden. In ihren letzten Lebensjahren sah man sie bisweilen um die von Strauß erworbene Villa in Schönau bei Leobersdorf in der Nähe von Baden bei Wien spazieren gehen. Die Straußvilla ist abgetragen worden. 

3.  Die Ehe mit Adele Deutsch, verwitwete Adele Strauß, genannt „Cosima im Dreivierteltakt" oder auch „lästige Witwe". 

Sie selbst wünschte als „Frau Johann Strauß" angesprochen zu werden.

Adele wurde am 1. Jänner 1856 in Wien geboren und heiratete 1874 den Bankierssohn Anton Strauß, der 1877 verstarb. Sie trug also als Noch-Nicht-Ehefrau Strauß berechtigerweise den Namen Strauß und stellte sich Johann Strauß auch dergestalt vor, daß sie Trägerin eines der berühmtesten  Namen der Welt sei. An eine Ehe war vorerst nicht zu denken, da Strauß geschieden war und nach katholischem Recht nicht heiraten konnte. Das Zusammenleben seit 1883 wurde dahingehend legalisiert, daß Strauß sächsischer Staatsbürger wurde und zum protestantischen Glauben übertrat. Am 15. August 1887 heiratete Strauß die um 31 Jahre jüngere Adele in der Herzoglichen Hofkirche zu Coburg. 
Adele nahm das Leben ihres Mannes vollständig in die Hand. Als Managerin überbot sie bei weitem die Initiativen von Jetty. Nach demTode von Strauß 1899 war sie eine penible Nachlaßverwalterin und achtete genau auf die exakte Verrechnung der ihr zustehenden Tantiemen. 
Adele Strauß verstarb im Jahre 1930. Die komponierende Nachwelt verdankt ihr heute noch die „Lex Johann Strauß". 


Die „Lex Johann Strauß"   

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