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ALLES WALZER! Eine kleine Geschichte der Entstehung des Wiener Walzers


Alles Walzer! Die Worte des "Tanzmeisters" wirken wie das Kommando Rührt Euch an die steif exerzierenden Soldaten. Die exakten Reihen der eröffnenden Menuettänzer lösen sich im wirbelden Tumult der walzertanzenden Masse auf. Was zunächst eine für Zuschauer konzipierte Zeremonie war, ist im nächsten Augenblick ein berauschendes Teilhaben aller tanzenden Paare am kreisenden Wogen der Menge, erfaßt vom Dreivierteltakt.
Dieses, sich noch am Wiener Opernball alljährlich vollziehende Geschehen, vertraute oder kuriose Tradition, Kulturereignis oder nur mehr Zitat aus einer vergangenen Epoche, läßt in geraffter Form eine Entwicklung ablaufen, deren soziale, politische und kulturgeschichtliche Bedeutungsebene, in einem oberflächlichen Klischeebild verzerrt und erstarrt, kaum mehr in voller Tragweite wahrgenommen wird.
Doch gerade die Geschichte des Walzers bringt die Dynamik von tiefgreifenden geistigen Umbrüchen zum Ausdruck. Seine charakteristische choreographische und musikalische Ausprägung als Gesellschaftstanz fand der Walzer zwischen den europäischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts, in einer Epoche des gesellschaftlichen Wandels und großer politischer Unsicherheit.
Der Tanz, wie andere Formen der Kunst, ist oft eine gute Reflektion der Werte und Anschauungen einer Gesellschaft. So interessiert aus heutiger Sicht die Entstehung des Walzers nicht zuletzt dadurch, daß er eine der ersten wirklichen Manifestationen des Individualismus darstellt, sowie die kollektive Flucht in einen Tanz mit all seinen Werten von Freiheit und Gleichheit, welche die Französische Revolution auf politischer Ebene proklamiert hatte. Der Wiener Walzer brachte ein Phänomen mit sich, das gerade angesichts der heutigen Tanzszene von Interesse ist: Erstmals in der Geschichte des europäischen Gesellschaftstanzes entstanden durch den Walzer Massen von frei tanzenden Individuen, die sich in der ununterbrochenen Drehbewegung einer rauschartigen Tanzekstase hingaben.

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