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Politischer Katholizismus
Politischer Katholizismus kennzeichnet "jene Gruppierungen und Kräfte, die sich bewusst aus gläubiger katholischer Verantwortung der aktiven Einflussnahme auf das soziale, gesellschaftliche und politische Leben" befleißigen (K. Forster). Nach dem Ende der Bindung von Staat und Kirche gewährte im 19. Jahrhundert das liberale Grundrecht der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit der Kirche die Voraussetzung zu einer Wirksamkeit in einer modernen säkularisierten Gesellschaft auch ohne Bindung an die Staatsgewalt. In Österreich sah sich die Kirche in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts der Gegnerschaft liberaler, nationaler und sozialdemokratischer Gruppierungen und Parteien gegenüber. Als Gegenbewegung entstand um 1870 die katholisch-konservative Richtung und um 1890/91 aus katholischen Vereinen die Christlichsoziale Partei, die um die Jahrhundertwende zur Massenpartei wurde und die Geschichte Österreichs in der 1. Republik maßgeblich mitbestimmte. Während der politische Katholizismus in der 1. Republik eine bedeutende Rolle spielte (Prälat I. Seipel), fand diese politische Richtung in der 2. Republik keine vergleichbare Fortsetzung in der Österreichischen Volkspartei oder einer anderen politischen Gruppe.
Literatur: K. Forster, Glaube und Kirche im Dialog mit der Welt von heute, 2 Bände 1982.
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